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[ R E H A D AT

W I S S E N

]

Inklusion ist mehr als

barrierefreie Architektur

Thorsten Hirsch gestaltet und begleitet als Ergotherapeut und Jobcoach

Inklusionslösungen mit Betrieben und Menschen mit Behinderungen.

Er leitet das Institut für berufliche Qualifizierung und Entwicklung (IFB).

REHADAT berichtet er, wie der Prozess der beruflichen Inklusion auf dem

allgemeinen Arbeitsmarkt gelingen kann.

Der Fokus im Inklusionsprozess liegt auf der Frage, wie es gemeinsam gelingen kann, dass

Menschen mit Behinderung ihre berufliche Leistung erbringen können. Und es wird schnell

deutlich, dass Inklusion mehr ist als barrierefreie Architektur. Rollstuhlnutzern gelingt dies

häufig durch Nutzung von Hilfsmitteln, Anpassungen und Abstimmung von Arbeitsabläufen

mit Kollegen und Vorgesetzten. Konkrete Lösungen gibt es neben Büroarbeitsplätzen für viele

verschiedene Arbeitsbereiche.

Zunächst scheinen uns die Bedürfnisse von Rollstuhlnutzern offensichtlicher zu sein. Wir

sehen beispielsweise, wie aufwendig der Transport von Akten durch den rollstuhlnutzen-

den Kollegen ist. Aber was ist mit den nicht direkt sichtbaren Bedürfnissen? Wann möchte

der Kollege Hilfe in Anspruch nehmen und wann nicht? Welche Wünsche hat er an die

Zusammenarbeit? Das erfährt man erst durch eine aktive Kommunikation – durch Nach-

fragen, Zuhören, gemeinsame Abstimmung und Wertschätzung. Auch der Kollege, der zum

Beispiel nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, ist herausgefordert Andere über den eigenen

Unterstützungsbedarf und seine Fähigkeiten zu informieren. Neben praktischen Fragen des

Arbeitsalltags sollten auch begleitende Gefühle wie Betroffenheit, Mitgefühl oder Ängste der

Beteiligten angemessenen Raum, Schutz und respektvollen Umgang erfahren.

Die Gestaltung von Inklusionsprozessen braucht Zeit und Engagement, um realistische und

passende Lösungen zu entwickeln. Bei Bedarf kann hier professionelle externe Unterstüt-

zung durch Integrationsfachdienste oder Jobcoaches hinzu gezogen werden. In der Regel sind

anfangs viele Fragen zu beachten: Wie kommt der Rollstuhlnutzer zur Arbeit? Wo ist ein

geeigneter Parkplatz? Wie können Transfers auf einen Arbeitsstuhl geleistet werden? Wo und

wie können die Pausen gestaltet werden? Mit welcher Lösung fühlt sich der Rollstuhlnutzer

wohl? Womit seine Kollegen? Wie können Kompromisse aussehen? Aber die Kernfrage bleibt:

Wie kann die Arbeitssituation so gestaltet werden, dass alle ihre Leistung vor dem Hinter-

grund der Geschäftserfordernisse bestmöglich erbringen können?

Betriebliche Inklusion bedeutet gemeinsames Lernen. Am Anfang stehen die Entwicklung

und Erprobung von Ideen für hilfreiche Veränderungen. Es empfiehlt sich, erste Erfahrungen

zu reflektieren, bei Bedarf anzupassen und zu optimieren. Damit gestaltet sich eine gemein-

same, passgenaue Routine für die Beteiligten. Bei Veränderungen im Betrieb muss wieder

aktiv nach neuen Lösungen gesucht werden. Letztlich liegt in jedem Einzelfall das Potenzial,

das Arbeitsleben interessanter, vielfältiger und menschlicher zu gestalten – viele Erfolgsge-

schichten machen Mut, dass sich dieser Weg lohnt!